Gewaltprävention und soziales Lernen im Verbund in Niedersachsen

Fachtagung: Auf dem Weg zu einem guten Schulklima - Soziales Lernen mit dem Programm „Gut Arbeiten / Zusammen Leben“

10.Nov.2016

Am 15. September 2016 fand in Garbsen-Berenbostel der Fachtag Auf dem Weg zu einem guten Schulklima - Soziales Lernen mit dem Programm „Gut Arbeiten / Zusammen Leben“ statt. Etwa 50 Lehrer/innen und Schulsozialarbeiter/innen sowie Verantwortliche aus Schulleitungen und Kommunalverwaltung informierten sich in der Georg-Elser-Hauptschule über das von dem Institut für Konflikt-Kultur aus Freiburg angebotene Programm zum sozialen Lernen an Schulen. Das Programm wird u.a. im Rahmen des Landesprogramms PaC-Prävention als Chance eingesetzt.

Die Tagung befasste sich mit den Grundlagen und Instrumenten des Konzeptes, stellte wissenschaftliche Forschungsergebnisse vor und gab Raum zur Diskussion praktischer Erfahrungen.

 
Veranstaltungsflyer

Veranstaltungsbericht

Wirkungsvolle Gewaltprävention setzt dort an, wo Kinder und Jugendliche täglich zusammen treffen, miteinander spielen und lernen: in den Kindertageseinrichtungen und in der Schule. Die Begegnung in der Gruppe und die Unterrichtssituation stellen Anforderungen an die jungen Menschen und eröffnen ihnen gleichzeitig die Möglichkeit, die notwendigen Kompetenzen herauszubilden, um diese Anforderungen zu bewältigen. Konzepte sozialen Lernens sind daher elementarer Bestandteil des Programms „PaC-Prävention als Chance“, und werden den hier organisierten Kindertageseinrichtungen und Schulen im Rahmen kommunaler Netzwerke angeboten.

Einige Schulen setzen auf das Programm „Gut Arbeiten/Zusammen Leben“ des Instituts für Konflikt-Kultur aus Freiburg und machen damit sehr gute Erfahrungen. Hierzu gehört die Georg-Elser-Hauptschule in Garbsen-Berenbostel. Für die Programmträger war das Anlass genug, um gemeinsam mit der Georg-Elser-Hauptschule im Rahmen eines Fachtages über die Grundlagen und Instrumente dieses Programms zu informieren, wissenschaftliche Forschungsergebnisse vorzustellen und praktische Erfahrungen zu diskutieren.

Monika Probst, Leiterin des Fachbereichs Bildung, Kinder und Jugend, Sport und Kultur, hob in ihrem Grußwort für die Stadt Garbsen die positiven Entwicklungen hervor, die die Bildungseinrichtungen der Stadt durch PaC genommen hätten.

In Stellvertretung für die Leitung des Dezernats 5 der Niedersächsischen Landesschulbehörde (NLSchB) stellte die Schulpsychologin Gertrud Plasse dar, wie die Behörde mit ihren Regionalbeauftragten für Prävention und Gesundheitsförderung in PaC eingebunden ist. Die Qualifikation von Lehrern und das Coaching von Lehrkräften sind zwei Aspekte im Rahmen der Unterstützung, die die NLSchB in das Programm einbringt. Darüber hinaus hält die NLSchB eine Anzahl von Angeboten zum Sozialen Lernen an Schulen bereit.

Eine gelingende Selbststeuerung sei nicht nur eine wesentliche Voraussetzung für die Bewältigung von Konflikten sondern auch eine wichtige Determinante für erfolgreiches Lernen, führte Thomas Grüner, Psychologe und Psychotherapeut und Leiter des Instituts für Konflikt-Kultur, in seinem Impulsvortrag aus. Selbststeuerung heiße Bedürfnisse aufschieben, Frustrationen aushalten und Selbstbeherrschung üben zu können. Etwa ab dem Alter von drei Jahren seien Kinder in der Lage, diese Kompetenzen zu erwerben, so Grüner. Abhängig von den jeweiligen Voraussetzungen lasse sich dieses über vier sich ergänzenden Wege erreichen: dem Verstehen des Sinns, dem Ritualisieren durch Training, der Bindung an ein gutes Vorbild und durch Systeme der Anerkennung. „Autoritative Erziehung“ nennt Grüner seinen Ansatz und betont dabei, dass das Entwickeln der Fähigkeit zum autonomen Handeln das Gegenteil von Disziplinierung sei.

„Gut Arbeiten/Zusammen Leben“ als ein Mehrebenen-Konzept für Schüler der Klassen 1-10 hat aber nicht nur die einzelnen Schüler im Blick sondern auch die Klassengemeinschaft und letztlich die Schulgemeinschaft als Ganzes. Es ist auf die Einführung und Durchsetzung einheitlicher Regeln, die Vermittlung von Werten und die Förderung des sozialen Miteinanders gerichtet.

In verschiedenen Workshops wurden exemplarisch einzelne Elemente des Programms vorgestellt und anschaulich gemacht wie das Erarbeiten von Verhaltensregeln, die Praxis von Konsequenz und Wertschätzung und der Umgang mit Konflikten.

Der hier vorgestellte Baustein „Sozialtraining und Mobbingintervention“ aus dem Angebot von Konflikt- Kultur wird zzt. von Janine Linßer, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fachhochschule Münster, im Rahmen ihrer Doktorarbeit evaluiert. In ihrem Zwischenbericht stellte sie dar, welchen Einfluss das Programm auf die Entwicklung einzelner Aspekte sozialer Kompetenzen hat, sowohl aus der Sicht von Schülern als auch aus der Perspektive von Lehrkräften. Darüber hinaus vermittelte sie allgemeine Erkenntnisse der Wirksamkeitsforschung zur Effektivität präventiver Maßnahmen, wie beispielsweise die besondere Wirksamkeit von Mehr-Ebenen-Programmen. Die Ergebnisse ihrer Forschung werden voraussichtlich im nächsten Jahr veröffentlicht.

Axel Dettmer ist nicht nur Schulleiter der Georg-Elser-Hauptschule sondern auch Trainer für Gut Arbeiten/Zusammen Leben. Seine Erfahrungen gab er an Mitglieder von Schulleitungen weiter. Sein Fazit: "Gut Arbeiten/Zusammen Leben ist für uns die Basis eines erfolgreichen pädagogischen Konzepts geworden. Ziele unserer Arbeit sind die transparente Vermittlung von Werten und der Erwerb beruflicher Schlüsselqualifikationen. Im Zentrum steht die Anerkennung für die Einhaltung von Regeln, die eine nachhaltige Verbesserung der Unterrichtsqualität möglich macht. Zusammenfassend kann ich sagen, dass sich die Unterrichtsstörungen mit der Einführung des Konzepts in allen Klassen erheblich reduziert haben und sich das Schulklima für Schüler und Lehrer weiter verbessert hat."

 

Das Programm „PaC-Prävention als Chance“ wird vom Landeskriminalamt Niedersachsen und dem Gemeinde-Unfallversicherungsverband Hannover getragen. Unterstützt wird es vom Niedersächsischen Kultusministerium, der Niedersächsischen Landesschulbehörde und dem Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung. Seit mehr als 10 Jahren in Niedersachsen etabliert, dient es dem sozialen Lernen im kommunalen Verbund. Alle frühkindlichen und schulischen Bildungseinrichtungen arbeiten hier gemeinsam in einem Präventionsnetzwerk zusammen, um nachhaltig die persönlichen und sozialen Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen zu stärken, die pädagogische Qualifikation von Erzieherinnen und Erziehern, Lehrkräften und Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern weiterzuentwickeln und Eltern bei der Erziehung zu unterstützen.


Tagungsablauf:

      ab 9:00 Uhr Anmeldung und Begrüßungskaffee

  • 9:30 Uhr Begrüßung
    Iris Metge, Schul- und Sozialdezernentin der Stadt Garbsen
  • Kurzeinführung
    Sarah Iken, Regionalbeauftragte für Prävention und Gesundheitsförderung, Nds. Landesschulbehörde
    Mario Jansen, Präventionsberater, GUVH/LUKN
  • Impulsvortrag - „Das halte ich aus! - Lernerfolg durch Selbststeuerung“
    Thomas Grüner, Leiter des Instituts für Konflikt-Kultur, Freiburg
  • Vortrag - „Zwischenbericht Programmevaluation Konflikt-KULTUR - Förderung Sozialer Kompetenzen im Kontext Schule“
    Janine Linßer, Wiss. Mitarbeiterin, Fachhochschule Münster/Fachbereich Sozialwesen
  • Marktplatz I - Einblicke ins Programm und praktische Erfahrungen

     Mittagsimbiss

  • Marktplatz II - Einblicke ins Programm und praktische Erfahrungen

  • Resümee und Ausklang

      17:00 Uhr Ende der Veranstaltung


Adressen

Georg-Elser-Hauptschule
Georgstr. 1
30827 Garbsen-Berenbostel

Institut für Konflikt-Kultur
Thomas Grüner
Gewerbestr. 9
79258 Hartheim

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