PaC - Prävention als Chance - Gewaltprävention und zum sozialen Lernen

Gründung der "Landesarbeitsstelle Kommunale Präventionszentren (LAS)"

17.Jun.2020

Ein weiterer Schritt zur Verbesserung der kommunalen Prävention in Niedersachsen

Am 17. Juni 2020 wurde im Rahmen einer Videokonferenz die Landesarbeitsstelle Kommunale Präventionszentren (LAS) in Niedersachsen gegründet. Gründungspartner dieses Kooperationsverbundes sind der Landespräventionsrat Niedersachsen (LPR), die PaC-Programmträger Gemeindeunfallversicherungsverband Hannover/ Landesunfallkasse Niedersachsen (GUVH/LUKN) und Landeskriminalamt Niedersachsen (LKA NI) sowie das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe). Der Kooperationsverbund ist ausdrücklich offen für die Beteiligung weiterer Partner, die sich auf der Landesebene für die kommunale Prävention engagieren und zur Erreichung seiner Ziele beitragen wollen.

Mit der LAS wird ein Rahmen geschaffen, um die Kompetenzen, Erfahrungen und Ressourcen der mit der kommunalen Prävention befassten Behörden und Institutionen auf der Landesebene zusammenzuführen und die Präventionsarbeit vor Ort in ihren Strukturen und in ihrer Qualität weiter voranzubringen.

Die Koordinierung erfolgt in der Geschäftsstelle des LPR. Die PaC-Geschäftsstelle beim LKA NI wird ihre Arbeit mittelfristig einstellen.

Die bisher nebeneinander vom LPR und im Rahmen von PaC – Prävention als Chance angebotenen Beratungs- und Unterstützungskonzepte für die niedersächsischen Kommunen werden in der LAS zusammengeführt. Damit erhält die schon seit Langem intensive Zusammenarbeit von LPR und PaC einen organisatorischen Rahmen. Die kommunalen Netzwerke von Communities That Care – CTC und PaC – Prävention als Chance werden verbunden.

Die LAS bietet darüber hinaus den Rahmen für eine Bündelung der Kompetenzen, Erfahrungen und Ressourcen der mit Themen der kommunalen Prävention befassten Behörden und Institutionen auf der Landesebene, um erkannte Defizite abzubauen und eine professionalisierte und nachhaltige Präventionsarbeit vor Ort wirksamer zu fördern.

Im Einzelnen verfolgt die LAS folgende Ziele:

  • Unterstützung der Kommunen beim Aufbau und der Verstetigung einer bedarfs- und wirkungsorientierten Planungs- und Steuerungsstruktur für die Prävention
  • Verbesserung der Abstimmung der Institutionen und Behörden auf der Landesebene, die die kommunale Prävention fördern und unterstützen, und wo möglich Entwicklung kooperativer Arbeitsstrukturen
  • Erarbeitung von Vorschlägen für eine Verbesserung der Strukturen in der kommunalen Prävention, um eine möglichst flächendeckende Verbreitung einer professionalisierten und an Qualitätskriterien orientierten kommunalen Prävention zu erreichen


Dazu sagen die Leiterinnen und Leiter der beteiligten Landesbehörden und Institutionen:

  • Justizministerin Barbara Havliza: „Der Ansatz der kommunalen Kriminalprävention hat sich bewährt. Es freut mich deshalb besonders, dass durch diese Kooperation die erfolgreiche Arbeit des Landespräventionsrates gestärkt wird. Wir reduzieren Parallelstrukturen und können Kommunen bei ihrer wichtigen Arbeit zielgerichteter unterstützen.“
  • Der Präsident des LKA Niedersachsen, Friedo de Vries, ergänzt: „Das Landeskriminalamt möchte mit seinen zentralen Funktionen für die Prävention der Polizei Niedersachsen dazu beitragen, dem gemeinsamen Anspruch einer gesamtgesellschaftlichen Prävention besser gerecht zu werden. Insbesondere verfolgt das Landeskriminalamt Niedersachsen das Ziel, die kommunale Prävention und die polizeiliche Prävention sowohl auf der Ebene des Landes wie auch auf den kommunalen Ebenen noch besser aufeinander abzustimmen und miteinander zu verschränken.“
  • Für den Gemeinde-Unfallversicherungsverband Hannover / die Landesunfallkasse Niedersachsen führt der Geschäftsbereichsleiter Prävention, Dr. Frank Hospach, dazu aus: „Entsprechend unseres gesetzlichen Auftrages steht die Prävention an erster Stelle. Dem GUVH / der LUKN ist sehr daran gelegen, in den Bildungseinrichtungen eine Kultur der Prävention zu entwickeln, welche stets die Sicherheit und Gesundheit der Beteiligten im Blick hat um somit Unfälle, Berufskrankheit und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren jetzt und auch in Zukunft zu vermeiden.“
  • Dr. Bettina Lamm, Leiterin des Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung, erklärt: „Wir unterstützen die Landesarbeitsstelle durch die Bereitstellung seiner fachlichen Expertise im Bereich der entwicklungsorientierten Prävention, insbesondere in Bezug auf Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der Präventionsarbeit im Feld der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung“.


Die Koordination der LAS übernimmt die Geschäftsstelle des LPR. Hier ist auch die zentrale Ansprechstelle für den Kooperationsverbund.

Frederick Groeger-Roth
Tel.        0511/120-8727
eMail:   frederick.groeger-roth(at)mj.niedersachsen.de

Anschrift
Landespräventionsrat Niedersachsen
- Niedersächsisches Justizministerium -
Siebstraße 4
30171 Hannover

Hintergrund

Die Kriminalprävention ist in Deutschland seit den 1990er Jahren in vielfältiger Weise ausgebaut und etabliert worden. Der Kreis der Präventionsakteure hat sich im Zuge dieser Entwicklung erweitert, Kooperationsgremien gibt es auf allen politischen Ebenen. Kriminalprävention wird heute als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden, die eine Akteure und Institutionen übergreifende Kooperation erfordert. (Vgl. Karlsruher Erklärung des 19. Deutschen Präventionstages)

Trotz gesellschaftlicher Problemlagen ist in Deutschland - und auch in Niedersachsen - eine tendenziell sinkende Kriminalitätsrate zu verzeichnen. Dies ist auch das Ergebnis einer erfolgreichen Präventionsarbeit. Insbesondere hat sich das Konzept der kommunalen Kriminalprävention positiv ausgewirkt. Der Ansatz, gemeinsam dort Verantwortung zu übernehmen und ressortübergreifend und institutionalisiert vorzugehen, wo Kriminalität entsteht und begünstigt wird, hat sich bewährt. (Vgl. Karlsruher Erklärung)

Die kommunale Prävention in Niedersachsen wird namentlich durch den Landespräventionsrat Niedersachsen unterstützt und gefördert. Im Landespräventionsrat sind rund 200 kommunale Präventionsräte und ca. 70 landesweit tätige Verbände und Institutionen vertreten, sowie Ministerien, nachgeordnete Behörden und wissenschaftliche Einrichtungen. Die Beratung der Politik ist dabei eine ebenso wichtige Aufgabe wie die Beratung und Unterstützung der Kommunen bei der Etablierung, Strukturierung und Organisation von professionalisierten Präventionsnetzwerken sowie bei der Auswahl, Implementierung und Durchführung von Präventionsmaßnahmen, bei deren Monitoring und der Evaluation.

Das Ziel der Förderung, Beratung und Unterstützung der Prävention in Kommunen und insbesondere in deren Bildungseinrichtungen verfolgen auch andere Institutionen und Behörden auf der Landesebene im Rahmen ihrer gesetzlichen Aufgabenzuweisungen oder ihrer Organisationsaufträge. Die interdisziplinäre und ressortübergreifende Arbeit in den kommunalen Netzwerken findet hier ihre Entsprechung.

Wenngleich der Ansatz der kommunalen Prävention von der Wissenschaft und der Praxis vielfach als erfolgreich bewertet wird, sind Probleme offensichtlich geworden. Die 2019 durchgeführte Studie zur Kommunalen Prävention in Deutschland (Schreiber 2019) zeigt auch für Niedersachsen folgende Situation auf:

  • Die Anzahl der kommunalen Präventionsgremien ist in den letzten 10 Jahren stagniert bzw. hat sich sogar verringert.
  • Die Ausstattung der kommunalen Präventionsarbeit mit personellen und finanziellen Ressourcen hat sich in dieser Zeit nicht verbessert.
  • Der Grad der Professionalisierung der Arbeit und damit die Sicherstellung von Qualitätsstandards ist noch immer unbefriedigend.

Darüber hinaus zeigen die Erfahrungen in der kommunalen Beratung:

  • Viele Kommunen bringen im Rahmen der kommunalen Finanzverfassung nicht die notwendigen Ressourcen für eine professionalisierte und nachhaltige Präventionsarbeit auf.
  • Es fehlen Regelstrukturen für eine flächendeckende Beratung und Unterstützung der Akteure in der kommunalen Präventionsarbeit.
  • Das Angebot an Förderung, Beratung und Unterstützung der kommunalen Prävention auf der Landesebene ist unter den anbietenden Landesbehörden und Institutionen nicht abgestimmt, so dass ein kohärentes und adressatengerechtes Angebot für die Kommunen bisher nicht existiert.

Über die bisherige Beratungs- und Unterstützungsstruktur werden die niedersächsischen Kommunen noch nicht annähernd flächendeckend erreicht.

Mit der LAS wird ein Koordinations- und Kooperationsrahmen geschaffen, um die genannten Defizite abzubauen und Konzepte für den landesweiten Ausbau einer professionalisierten und an Qualitätskriterien orientierten kommunalen Prävention zu entwickeln. Die Gründungspartner der LAS sind überzeugt, dass sich durch diese Bündelung das Beratungs- und Unterstützungsangebot für die beteiligten Kommunen spürbar verbessern wird.

Hier geht es zur Pressemitteilung des Nds. Justizministeriums.



 

 

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